Liebe bis in den Tot oder wie Kain und Abel
Warum ich? Ausgerechnet ich? Hätte Mutter nicht jemand anderen schicken können? Ich konnte und würde ihn auch nie leiden können. Es war ja so schön gewesen als er sagte, dass er für die nächsten Jahre ins Ausland gehen würde. Es waren die besten, tollsten und schönsten Jahre meines Lebens. Mutter hatte sich nur um mich gekümmert, und Vater hat viel Zeit mit mir verbracht. Doch jetzt würde er wiederkommen und mit Vater und Mutter wieder wegnehmen. Das kann ich nicht zulassen. Er war ja so widerlich. Gebräunt war er und er ging immer ins Fittnescenter. Er trug immer teure Kleider und wenn wir gemeinsam durch die Stadt gegangen sind, haben sich alle nach ihm umgedreht. Über mich lachten sie immer. Ich hasse ihn.
Er stieg aus dem Flugzeug, und machte sich auf den Weg zu Eingangshalle. Seine Haare waren nach hinten gekämmt, und durch das Jackett konnte man seinen muskulösen Körper erahnen. Seinen Hals zierte eine dicke Goldkette, seine Schuhe waren poliert und seine Haut gebräunt. „Mist schon wieder mein Handy.“ Er holte sein Handy aus der Hosentasche. „Hallo?! Mist falsches Handy.“ Er holte ein anderes Handy aus der Hosentasche. ‚“Hallo?“ Es war sein Geschäftshandy. „Ich habe doch gesagt die nächsten zwei Wochen keine Termine.“ Er legte auf. Voller Freude seine Familie wieder zu sehen machte er sich wieder auf den Weg. Er hatte sie seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. „Ob mein Bruder sein Trauma schon überwunden hat? Vielleicht hat er eine Arbeitsstelle gefunden und sogar eine Familie gegründet und ist von zu Hause ausgezogen. Und was meine Eltern wohl machen?“ Da waren sie wieder diese Fragen die er sich schon die ganze Reise über gestellt hatte.
Es ist schon drei Uhr. Er wollte eigentlich um Zehn hier sein. Was glaubt dieser Idiot eigentlich, wer er ist? Sicher war es nett für ihn gewesen, so im Ersteklasseabteil. Dieser räudige Mistkerl. Immer war er es, der bewundert worden ist, und ich? Ich wurde immer ausgelacht, rumgestoßen, wie ein Spielball. Wie ein Hund wurde ich behandelt, wenn er da war. Oh wie ich ihn hasse. Er ist schon seit fünf Stunden zu spät. Hoffentlich ist sein Flugzeug abgestürzt. Das währe, als wenn sich alle meine Träume auf einen Schlag erfüllen würden.
Er guckte auf seine goldene mit Diamanten besetzte Rolex. „Mist! Schon drei Uhr, fünf Stunden zu spät. Mein armer Bruder, der wartet jetzt schon bestimmt mehr als fünf Stunden auf mich. Der freut sich garantiert auch, mich nach dieser langen Zeit wieder zu sehen. Er ging schneller. Er hält ein Päckchen in der Hand. Es ist ein Geschenk für seinen Bruder.
Die Tür zur Halle geht auf und die ersten Personen kommen. Ein Mann, eine Frau. Mein Bruder ist nicht dabei. Ich warte noch drei Minuten, dann werde ich gehen. Noch eine Minute. Oh nein, da ist er. Er hat sich verändert. Doch ich werde ihn immer und überall wieder erkennen. Er trägt einen Anzug. Und wie er lächelt. Ich beobachte die Frauen, an denen er vorbei geht. Sie drehen sich nach ihm um. Er kommt auf mich zu. Ich hasse ihn. Er winkt. Ich darf nicht auffallen, und winke lächelnd zurück.
Er sah die Eingangshalle und begann zu laufen. Er öffnete die Tür. Da stand er und lächelte.
Heute mein „geliebter Bruder“ werde ich dem ganzen ein Ende bereiten. Doch du wirst nichts davon merken. Ich freue mich schon. Ich merke wie bei diesem Gedanken mein gespieltes lächeln zu einem echten Lächeln wird. Er steht direkt vor mir. Er sagt das er sich freut mich zu sehen und so. Bla Bla Bla. Immer diese Sülze. Aber in so etwas warst du ja schon immer gut. Wir umarmen uns. Er quatscht mir immer noch ins Ohr. Doch ich höre ihm nicht zu. Ich denke an den Plan.
„Es ist schön dich zu sehen. Es geht dir also Gut. Ich muss dir so viel von dem erzählen was in den letzten fünf Jahren passiert ist.“ Als sie ins Auto steigen pocht sein Herz vor Freude und Aufregung. „Geht es Mama und Papa auch gut?“
Wir gehen zum Auto. Die Leute schauen uns nach. Ich höre sie über uns reden. „Was für ein seltsames Paar. Was hat so ein gut aussehender junger Mann mit so einer armen Seele zu tun?“ Er hat mich schon immer beschützt. Er redet immer noch. Ich höre dir nicht zu! Doch das fällt dir nicht auf. Du redest einfach weiter. Er fragt mich nach Vater und Mutter. Ich antworte nicht. Da ist das Auto. Ich gehe auf die Fahrerseite und schließe die Tür auf. Er steigt ein. Du unwissender armer Narr, du läufst in den Tot und merkst es noch nicht einmal. Ich hasse dich! In der Bibel heißt es „Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wie du mir so ich dir.“ Im Grund ist das alles deine Schuld. Und das Päckchen, das du mir mitgebracht hast, ich werde es mit dir von dieser Welt tilgen.
Sie fahren los. Vom Parkplatz hinunter, in Richtung trautes Heim. Der ein redet, und der andere, der jüngere, schweigt. Der Ältere ist unwissend, er ist voller Freude, denn er wird seine Eltern wieder sehen. Der andere ist auch voller Freude. Er hat einen Plan um sein Leben ein für alle mal zu ändern. Plötzlich biegt der Wagen rechts anstatt links ab. Der Jüngere beschleunigt. Der Ältere fragt, was das solle. Der Jüngere wendet sich an seinen Bruder: “Ich habe ein Pony gekauft! Du solltest es dir ansehen!“ Der Ältere atmet auf. Er lächelt. Beide steigen aus. Der Ältere geht voraus. Er betritt die Scheune. Da ist kein Pony! Der Ältere dreht sich um. Blickt in das lächelnde Gesicht seines Bruders. Dieser hält in einer Hand ein Feuerzeug und in der anderen einen Knüppel. Der Ältere reist die Arme hoch. Doch der Jüngere trifft ihn hart am Kopf. Dunkelheit. Der Jüngere lässt das Feuerzeug fallen. FEUER. Er tränkt seinen am Boden liegenden Bruder in Benzin. Er brennt. Der Jüngere will gehen, merkt aber dass seine Hände brennen. „Nein so war das nicht geplant! Er war doch noch zu jung zum Sterben.“ Ihm wurde Schwarz vor Augen. Dann war es still.